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Bitte über die Feiertage nicht mehr twittern

Der stellvertretende Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Hessen, Björn Werminghaus, hat sich ja am Wochenende besonders klug zu den Protesten in Hamburg geäußert. Auf Twitter. Dort bezeichnete er die Hamburger Demonstranten als „gewalttätigen Abschaum“. So weit, so mies. Was ich in weiterer Folge schockierend finde, ist die Reaktion des DPolG-Bundesvorsitzenden Rainer Wendt beziehungsweise das offizielle Statement der Deutschen Polizeigewerkschaft:

Der Fehler sei mit dem Kollegen erörtert worden und man habe ihn gebeten, das Twittern über die Feiertage einzustellen, sagte Wendt. – Spiegel Online

Achso, klar. Gegen unkontrollierte Wutausbrüche und extreme Gedankengänge in einer Führungsposition der Deutschen Polizeigewerkschaft hilft es bestimmt, einfach mal ein paar Tage nicht zu twittern. Aus den Augen, aus dem Sinn – was man nicht weiß, macht uns nicht heiß. Das ist natürlich genau das, worüber man sich als Bürger freut. Der Herr Werminghaus kriegt halt einfach Social Media Guidelines vorgelegt, vielleicht noch eine Trainingsstunde bei irgendeinem selbsternannten  Social Media-Experten und schwupp! ist das Problem aus der Welt. Aus Polizeisicht.

Im Dienst bleibt alles beim Alten. Der Mann, der Demonstranten als gewalttätigen Abschaum bezeichnet, rennt auch am nächsten Arbeitstag noch mit Waffe rum. Scherzt mit Kollegen über „den Abschaum“. Überwacht vielleicht die nächste Großdemonstration. Toll! Und was, wenn er sich da auch plötzlich von jemandem provoziert vorkommt, der ihm ins Gesicht sagt, dass auch Demonstranten verletzt wurden, nicht nur seine armen Kollegen? Wie wird er reagieren, wenn er statt Smartphone gerade einen Schlagstock in der Hand hält?

Der DPolG-Bundesvorsitzende Wendt forderte alle Kollegen zu mehr Sensibilität im Umgang mit sozialen Medien auf. „Polizisten sollten auch im Netz immer wissen, was sie tun“, sagte er. – Spiegel Online

„Polizisten sollten AUCH im Netz wissen, was sie tun“, achja. Genau das ist der springende Punkt: Das ominöse „Internet“, darin ändert man sich nicht plötzlich. Nein, die Kanäle, die man nutzt, sind eine Erweiterung seiner selbst. Das Internet spiegelt die eigene Person wieder, soziale Plattformen ändern niemanden. Sie geben nur weiter, wie man ist. Und wenn jemand ohne nachzudenken auf einen Tweet hin demonstrierende Menschen als gewalttätigen Abschaum bezeichnet – egal, was vorgefallen ist – dann kann ich mir nicht vorstellen, dass diese Person im Angesicht einer realen Unruhe-Situation selbst cool und überlegt bleibt.

Eine Geschäftsfrau aus den USA wurde vor Kurzem wegen eines inakzeptablen Tweets gefeuert. Liebe Polizeigewerkschaften – denkt man ganz scharf über euer Verständnis von Social Media nach. Am besten über die Feiertage, da habt ihr ja jetzt ohne Twitter eh Zeit dafür.

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2 Kommentare zu “Bitte über die Feiertage nicht mehr twittern

  1. Pingback: #FCSP verstolpert das Jahresende gegen den KSC und der politisch gewollte Rechtsstaats-GAU bei #HH2112 | KleinerTods FC St. Pauli Blog

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