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ob sich dieser kleine zettel, damals, als er frisch gedruckt, erst ein, zwei tage alt, am grazer kunsthaus klebte, auch nur auszudenken wagte, dass er je das lebensmotto eines damals kleinen mädchens würde? dass er jemals in die große weite welt, nach wien, nach berlin käme? ich glaube nicht. ich glaube auch, das mädchen wusste das damals noch nicht. aber was ist schon die „große, weite welt“? was ist sie schon, wenn das herz an anderer stelle sitzt und nicht vom platz kommt? wenn der kopf festhängt in kleinlichkeiten, niedergenagelt von stecknadeln, die sich wie kreuzesnägel in das fleisch der kleingeistgedanken bohren?

doch ich schweife ab. ich wollte euch die geschichte eines kleinen, neonpinken notizzettels erzählen, die vermutlich um den fünften, sechsten mai 2003 herum in graz begonnen hat. vielleicht in einem kleinen pr-büro, vielleicht in einer großdruckerei, ich weiß es nicht. ich will es gar nicht wissen. denn was davor war, ist egal. was jetzt ist, zählt. jetzt, in diesem augenblick, in dem meine finger sich vertippen, und ich in „augenblick“ das „s“ auf ein „a“ ausbessere, in genau diesem augenblick hängt er an der magnetwand eines noch immer kleinen, aber etwas älteren mädchens. in berlin. in einer neuen welt. und zieht meine aufmerksamkeit auf sich, während ich esse. heiße thailändische suppe, gekocht von einem, der mit worten noch viel besser kocht. und die suppe ist schon verdammt gut.

doch ich schweife ab. ich wollte euch die geschichte eines kleinen, neonpinken notizzettels erzählen, der schon, in das graue notizbuch gebettet, die ganzen kleinen, aufgeplusterten winzig-metropolen des schönen, noch viel aufgeplusterteren österreich bereiste. und im herzen an noch vielen anderen orten war, die man nicht benennen kann, weil sie nicht aus mauern oder hölzern oder asphalt bestehen – sondern aus gedanken, aus luft, aus trieben, aus gefühl, vielleicht. aus menschen, die dich in deinem innersten berühren. orte, an die man zu fuß nicht gelangt. orte, die bei seelenberührung entstehen und genauso schnell, wie sie aus nichts als sich selbst wachsen, wieder in sich zusammenfallen, wenn die berührung endet.

doch ich schweife ab. ich wollte euch die geschichte eines kleinen, neonpinken notizzettels erzählen, der sich nicht verändert hat in all den jahren. der keine angst dabei empfindet, wenn sich nichts ändert. der keine panik empfindet bei stillstand. der um sich herum die welt betrachtet, in die das mädchen ihn bringt, aber der diese unruhe nicht kennt. der nicht das gefühl hat, einerseits zu flüchten und andererseits nur das zu tun, was notwendig ist, um zu wachsen. um den geist reifen zu lassen. die gedanken des kleinen notizzettels kreisen nicht um das größerwerden der seele, des verstandes oder der gefühle. der zettel ist bloß ein statement, er lebt einen satz. das mädchen bewundert ihn manchmal dafür, dass er nie seine meinung ändern muss, dass er nie seinen grund-satz überdenkt und trotzdem immer richtig liegt.

doch ich schweife ab. ich wollte euch die geschichte eines kleinen, neonpinken notizzettels erzählen, der nur so weit kommen konnte, weil er die sturheit, die das mädchen sich wünscht, sehnlichst, weil er diese sturheit formuliert und wie ein guter barkeeper mischt. mischt, mischt, mischt, was das zeug hält. sturheit, willen, mit dem mischt, um was sich das leben dreht: unerfüllte träume. die erreicht werden wollen. von denen einer niemand abbringen kann. auch wenn sie vielleicht unerfüllt bleiben, unerfüllbar sind. denn sobald ein zustand erreicht ist, ändern sich die umstände. nichts kann sich ändern, ohne alles andere mitzuändern. butterfly effect. ein bisschen zumindest. und bleiben tut immer nur die ewige unzufriedenheit, weil – it didn’t turn out the way i wanted it, did it? und dieser gedanke lähmt, fesselt mich, nagelt das mädchen nieder in seinen bewegungen. denn wenn ein faktor geändert wird, ändert sich das ganze umfeld mit ihm.


doch ich schweife ab. ich wollte euch die geschichte eines kleinen, neonpinken notizzettels erzählen, denn der spruch darauf ist gut, ich mag ihn sehr. doch all diese dinge, die mir durch den kopf gehen, kann ich sowieso nicht auf kleine zettel schreiben. manche dieser gedanken werden verwehen, manche trägt es vielleicht fort in andere köpfe und eines tages treffe ich jemanden, der mir meine gedanken aufsagt und ich werde die worte gern haben. den menschen dahinter vermutlich auch. doch was tut das zur sache. mein leben besteht aus nebensächlichkeiten. ich suche das pink, das kräftige, den leitfaden und entdecke ihn nicht. unstet einerseits, weil immer suchend, immer fliehend; festsitzend andererseits, weil immer ängstlich, immer veränderungsscheu.

und mit diesem chaos lasse ich euch allein. fliehe schnell, bevor ich zur verantwortung gezogen werde und blicke nicht zurück. ratet mir gut, doch ratet nicht ab.

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