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Star Trek – Der Spiegel  für Visionen eines Jahrzehnts.

(Ein Auszug aus meiner Seminararbeit „Beam me up, Scotty! – Zukunftsvisionen der 1960er Jahre“)

“Der Weltraum – unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 2200. Dies sind die Abenteuer des Raumsschiffs Enterprise, das mit seiner vierhundert Mann starken Besatzung fünf Jahre lang unterwegs ist, um neue Welten zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen. Viele Lichtjahre von der Erde entfernt dringt die Enterprise in Galaxien vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.“

Diese Zeilen schrieben Filmgeschichte. Die Abenteuer von Captain Kirk und seinem ersten Offizier, dem vulkanischen Mr. Spock, sind weltweit zum Klassiker geworden. Wenigen ist jedoch bekannt, dass die Serie von Anfang an auch gesellschaftliche Strukturen aufbrach: In der Pilotepisode “The Cage” (“Der Käfig”) war nicht nur Mr. Spock erster Offizier des Raumschiffs Enterprise, sondern neben ihm auch eine Frau, was zur damaligen Zeit höchst ungewöhnlich und zukunftsweisend war. Dem Fernsehsender NBC, der die Produktion der Pilotfolge in Auftrag gegeben hatte, war dies allerdings zu provokativ und man verlangte eine Umgestaltung der Storyline. Aus der ersten Offizierin wurde in den weiteren Folgen Schwester Chapel, ein Mitglied der Krankenstationsbesatzung.

Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass innerhalb der Besatzung der Enterprise eine dunkelhäutige Frau eine wichtige Rolle einnahm: als Kommunikationsoffizierin Nyota Uhura spielte Nichelle Nichols die Rolle des einzigen weiblichen Mitglieds der Kernbesatzung der Enterprise und war regelmäßig auf der Brücke des Raumschiffs zu sehen. Als sie 1966 aus der Serie aussteigen wollte, bat Martin Luther King sie höchstpersönlich, ihre Rolle weiterhin zu spielen. Eine weitere wichtige Rolle kommt Nichols zu: In der Episode “Plato’s Stepchildren” (“Platos Stiefkinder”) küsst sie als erste dunkelhäutige Frau im amerikanischen Fernsehen einen hellhäutigen Mann, nämlich Captain Kirk. In den USA, speziell in den Südstaaten, sorgte dies für helle Aufregung: aus Protest wurde in vielen Staaten die Folge indiziert und in südlicheren Gegenden sogar die ganze Serie abgesetzt. Generell jedoch sind die multikulturellen Zukunftsvisionen der Serie für ihre Zeit außergewöhnlich: Neben der dunkelhäutigen Schönheit Uhura nimmt auch der Japaner Hikaru Sulu, gespielt von George Takei, seit der ersten ausgestrahlten Episode einen Offiziersposten ein.

Trotz aller Integrität der Kulturen gibt es jedoch auch versteckte Feindseligkeit: Die Charakterzüge der Klingonen sind in vielerlei Hinsicht vergleichbar mit den vorurteilbehafteten Vorstellungen, die Amerikaner von Einwohnern der Sowjetunion hatten. Bärtige, ungebildete Rohlinge mit hohem Aggressionspotential, deren technologische Fortschrittlichkeit kaum nachvollziehbar scheint – Klingonen sind unliebsame Zeitgenossen. Auch die Sprache der Klingonen weist gewisse Parallelen zur russischen auf. Sie ist geprägt von harten, kantigen Silben und “ch”-Lauten. Außerdem wird oft der Konflikt der “Föderation”, des interstellaren Planeten-Bündnisses, mit dem Klingonischen Imperium als Versinnbildlichung des Kalten Krieges gesehen. Um sich dennoch der Sowjetunion gegenüber keine Blöße zu geben, vervollständigte man in der zweiten Staffel der Serie die Internationalität der Crew: Pavel Chekov, ein russischer Sternenflottenoffizier, verstärkte die Besatzung der Enterprise als Navigator. Er ist übrigens das einzige Mitglied der Kernbesatzung, das regelmäßig schwer verletzt wird – offiziell hat das natürlich nichts mit seiner Herkunft zu tun.

Doch nicht nur der Weltfrieden war eine Vision der 60er Jahre, die sich in Star Trek widerspiegelt. Man träumte von neuen, künstlichen Materialien,  umweltschonenden, hocheffizienten Antriebsstoffen und Erfindungen, die die Welt verändern würden. Angefangen bei der Kleidung: Designer der 60er Jahre experimentierten mit neuen Materialien wie beispielsweise Stretch-Stoffen, Plastik und PVC. Dies ist natürlich auch an den Uniformen der Enterprise-Crew erkennbar, genauso wie an den Outfits humanoider, außerirdischer Lebensformen. Berühmt ist auch der “Warp-Antrieb”, ein Antrieb zum Reisen in Lichtgeschwindigkeit: Als Treibstoff dient Antimaterie, die mit Materie reagiert und Unmengen an Energie erzeugt. Die Antimaterie wurde auch in der realen Welt “als natürliche Nachfolgerin von Kernreaktoren und Energiequelle der Zukunft betrachtet”. Doch nicht nur “Energie!” sondern auch das geflügelte Wort “Beam me up, Scotty!” (das übrigens in dieser Form nie in der Serie vorkam) hat längst Kultstatus: der Teleporter war eine weitere futuristische Idee der 60er Jahre, die in Star Trek ihre Umsetzung fand. Wissenschaftlich hielt man es damals für möglich, tatsächlich in nicht allzu ferner Zukunft Materie “funken” zu können. Zukunftsweisend war auch der “Kommunikator”, ein handliches Gerät zum Übermitteln von Sprachnachrichten – kurz, eine 60er-Version des Handys.

Die starke Wechselwirkung zwischen Realität und Fiktion in Star Trek ist nicht nur in der Serie erkennbar: Inspiriert vom Namen des Raumschiffes in “Star Trek – The Original Series” wurde ein Space Shuttle der NASA im Jahr 1976 “Enterprise” getauft. Grund dazu war eine Briefkampagne von etwa 400.000 Fans der Serie. Dieses Shuttle wurde jedoch nie für einen Flug in den Weltraum, sondern nur für Testflüge genutzt. Auch das private Raumfahrtsunternehmen “Virgin Galatic” gab ihrem ersten kommerziell nutzbarem Suborbitalraumschiff im Dezember 2009 den Namen “VSS Enterprise” (“Virgin Spaceship Enterprise”). Das Unternehmen bot William Shatner, dem Darsteller von Captain Kirk, sogar ein Gratisticket für ihren ersten kommerziellen Suborbitalflug an- dieser lehnte jedoch ab: “Who the heck wants to go out into space?!” – Vielleicht hätte er in den 1960er Jahren eine andere Antwort gegeben…

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Ein Kommentar zu “seminararbeit: „Who the heck wants to go out into space?!“

  1. huch, als anmerkung natürlich noch: es geht hier nur um „star trek – the original series“, nicht um die weiteren serien. die ersten folgen von „star trek – the original series“ wurden 1966 ausgestrahlt. abgesetzt wurde die original-serie 1969.

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