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gänsehaut. grusel. genialität. wer das erleben will, sollte sich unbedingt HEXENJAGD im Schauspielhaus Graz ansehen. ein grandioses stück, grandios interpretiert, mit grandiosen darstellern. bis dato war ich davon überzeugt, ein kinofilm könnte meist stimmung und handlung besser und vor allem glaubwürdiger inszenieren als theater, da es ja viel mehr versuche für eine szene gibt, da ein film von effekten unterstützt werden kann, da viel imposanteres möglich ist als auf der bühne. aber ich habe mich offensichtlich getäuscht: HEXENJAGD von Arthur Miller in der inszenierung von Anna Badora ist grenzgenial.

man betritt den zuschauerraum und ist sofort mitten im geschehen: ein steg reicht in die sitzreihen, auf der bühne hocken gestalten, es ist dunkel, düster dort vorne. und dann startet die phantastische reise auch schon…

Quelle: https://i0.wp.com/www.schauspielhaus-graz.com/upload/images/13820_600_400.jpg; Foto: Peter Manninger

ein stück, dass mit nackt tanzenden mädchen beginnt, kann auch nur gut werden, nicht? man nimmt sich kein blatt vor die scham und stellt dar, was genau so und nicht anders dargestellt werden sollte. als obszön und reißerisch darf dieser start in die geschichte jedoch nicht bezeichnet werden: viel eher wirkt die atmosphäre verrückt und verzweifelt.

die verzweiflung windet sich wie ein roter, klebriger faden durch das stück. man kann ihr nicht entkommen – weder als  eine der handelnden personen, noch als zuschauer. unterstützt wird diese bedrückende stimmung von der bühnengestaltung: auf engstem raum zusammengepfercht sitzen beinahe durchgehend alle darsteller auf der bühne. verhörstimmung breitet sich aus, man wird auch als zuschauer mitgenommen in den saal, in dem die verhandlungen stattfinden. niemand kann entkommen. weder der rach- und machtsüchtigen Abigail, noch dem selbstsüchtigem richter, der hoch über allen zu thronen scheint.

apropos Abigail – im Falter stand zu lesen, dass Pia Luise Händler eine fantastische Ms. Williams geben soll. ganz glaubt man dem journalistenvolke ja nie, also ging ich mit skepsis in die vorstellung – und schämte mich nachher beinahe, je in betracht gezogen zu haben, dass die mimin doch nicht so großartig sein könnte wie in der zeitschrift beschrieben. Pia Luise Händler ist genial in ihrer rolle – die kälte in ihrem blick durchdringt alles. der atem stockt einem fast, wenn sie auf den richter zugeht – niemand hält sie auf; neben ihr ist der richter, eigentlich imposant und selbstverherrlichend, nur ein kleiner wurm. Abigail kennenlernen? danke, die lust ist mir vergangen. der bittere geschmack von egoismus und intrige wird auch nach dem zähneputzen noch da sein.

am ende des stückes muss man sich fast überwinden zu klatschen. die beklemmung sitzt noch immer in allen gliedern, und der schock, zu wissen, dass das alles wirklich in ähnlicher weise passiert ist, ist noch nicht vollständig verdaut. dass das stück geschrieben wurde, um auf noch eine andere krise aufmerksam zu machen, an das will man gar nicht denken. von krisen hat man für den augenblick genug. applaus.

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6 Kommentare zu “theater: abracadabra simSALEMbim. hexhex!

  1. Wenn du wissen möchtest, welche imposanten Situationen, die tatsächlich Hollywood-Format hätten, man auf die Bühne zaubern kann, dann kann ich dir „Liliom“ im Grazer Schauspielhaus herzlichst empfehlen. Das übertrumpft meines Erachtens nach sogar „Hexenjagd“ noch um ein paar Nasenlängen…

    • Ja, LILIOM hab ich auch schon fast gesehen. Halb zumindest ^^“ Auf die genauen Umstände dieses etwas missglückten Abends werd ich jetzt nicht eingehen, aber soviel sei gesagt: Ich werd mir sicher noch einmal das ganze Stück ansehen!

  2. Danke für die Antwort – hatte wohl vergessen zu schauen.
    Ich sehe immer wieder, dass Hexenjagd ein Stück ist, was auch von Schultheatern oft aufgeführt wird. Wäre sicherlich nicht meine erste Wahl. Zumal grade auch die Eröffnungsszene im Wald ja zu den wenigen Theatermomenten gehört, wo die Nacktheit der Darstellerinnen sinnvoll ist, was ja in einer Schultheateraufführung sicherlich nicht passend wäre.

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