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da wurde doch tatsächlich bei einer tv-diskussion behauptet, es wäre etwas rein positives, die prostitution zu verbieten. frauen würden nicht mehr ausgenutzt, wenn dies geschähe. ein schritt in richtung gleichberechtigung. achja. klingt ja auf den ersten blick relativ interessant und hübsch.
doch schon wenn man ein klein wenig an der glitzer-glänzenden oberfläche dieser tralala-alles-schön-behauptung kratzt, bermerkt man, dass keinesfalls alles im lot wäre, gäbe es offiziell keine prostitution mehr.
ganz am rande bemerkt, es wäre unmöglich, die prostitution durch ein staatliches verbot auszumerzen – schon ohne verbot gibt es milllionen illegaler prostituierter, gegen die der staat nicht das geringste unternehmen kann. ein verbot gibt es beispielsweise in bulgarien – dort ist prostitution dennoch ein bestandteil des alltäglichen lebens. denn von der polizei wird das „älteste gewerbe der welt“ akzeptiert und zugelassen. auch in albanien ist prostitution verboten. doch gerade an dieses land denkt man, wenn von menschenhandel die rede ist…
auch am anderen ende von europa ist in einigen ländern die prostitution nicht erlaubt. hierbei denke ich an irland, wo es vor allem in dublin [laut wikipedia] eine große untergrund-szene gibt.

schweden ist wahrscheinlich das für sein prostitutionsverbot bekannteste land. heute gibt es dort kaum mehr ein gebiet, das man als „straßenstrich“ bezeichnen kann. doch auch, was dort scheinbar gut funktioniert, hat seine schattenseiten: die fälle von misshandlungen und vergewaltigung von [illegalen] prostituierten nehmen in den letzten jahren deutlich zu. bei den übrig gebliebenen freudenmädchen [und -männern] steigt außerdem die zahl derer, die eine geschlechtskrankheit haben. wegen der wenigen freier, die sich durch das gesetz nicht abschrecken lassen, sind die meisten gezwungen, auch ohne kondom sexuelle handlungen durchzuführen, um genug bezahlt zu bekommen, damit sie überleben können. außerdem fehlen die anderorts vorgeschriebenen ärztlichen untersuchungen.

natürlich darf man die positiven auswirkungen dieses gesetzes nicht verschweigen: es gibt tatsächlich kaum mehr sichtbare prostitution und das allgemeine stadtbild ist eines, das den bewohnern besser gefällt als zuvor. auch wird es vielen frauen wirklich durch dieses gesetz gelungen sein, sich [drastisch formuliert] aus der unterdrückenden hand ihrer zuhälter zu befreien. schwedens gesetze verurteilen nämlich nicht die, die sex anbieten, sondern die, die „sex kaufen“ und damit handel betreiben; und stellen somit nicht prostituierte als schuldige hin, sondern deren freier und „chefs“.

und dennoch wird die prostitution nicht abgeschafft werden können durch ein gesetz.
viel sinnvoller wäre es, die prostitution zu einem beruf zu machen, der akzeptiert ist – sowohl gesetzlich als auch gesellschaftlich. zweiteres stellt sich sicher als wesentlich schwieriger heraus. aber solange eine frau oder ein mann selbst bestimmt, dass sie oder er diesem gewerbe nachgehen möchte, muss dies auch funktionieren, ohne sozial geächtet zu werden. kompliziert ist natürlich, wie man bestimmt, ob nun wirklich der wunsch dahinter steht oder die geldnot, die sprachbarriere, der drogenkonsum, die macht anderer. ein anfang wäre vielleicht ein offeneres gespräch über den beruf der sexarbeiter, die ent-tabuisierung. natürlich meine ich damit nicht, dass in der volksschule dann die bestbezahlte aus dem „liebeshaus simone“ ihren beruf porträtiert, sondern dass in politik ohne scheu darüber gesprochen wird.

um noch einmal auf meinen hetzerischen titel zurückzukommen: was ich vor allem durch ein allgemeines verbot der prostitution befürchte, ist ein ansteigen der zahl der sexuellen übergriffe, vor allem auf mädchen und frauen. natürlich, man darf freier und triebtäter nicht in einen topf werfen – dennoch bereitet es mir kopfzerbrechen, wo sexuell unbefriedigte personen ihren hormonstau loswerden, wenn das offiziell nicht mehr erlaubt sein soll? nicht allen wird die eigene hand reichen, um es salopp auszudrücken…

darum bin ich froh darüber, dass in österreich die prostitution erlaubt ist. bis sie allerdings ein gesellschaftlich akzeptiertes gewerbe wird, wird es noch mehr als eine kleine weile dauern. und bis sie so revolutioniert wird, dass man von einer durch und durch freiwilligen prostitution sprechen kann, wahrscheinlich eine halbe ewigkeit. aber genau hier muss man ansetzen: keine verbote, sondern gesetze schaffen, die die rechte prostituierter stärken. in richtung schweden – aber doch nicht ganz so weit.

bittersuessse gruessse

PS: ein paar interssante artikel dazu: diestandard.at, die zwei meinungen zum thema prostitution, „die zeit“ zum thema schweden

PPS: hoppla, lang geworden diesmal…hoffentlich verzeiht ihr mir 😉

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